16. September 2021 - Beiträge - Allgemein - Autor

Ein Nachmittag mit Nora Lettau von der Verführungskraft des weiblichen Haares

2021_09_Nora Lettau

Am Donnerstag den 16.09.2021 treffen sich die Landfrauen Möglingen-Asperg zu einem Kaffeenachmittag im Bürgerhaus.

Ute Ullrich eröffnet mit einem Gedicht: „September“ von Ingrid Herta Drewing. Es handelt von dem Übergang der Jahreszeiten, bildhaft und farbenfroh umschrieben.

Nora Lettau, unter anderem Sprachdozentin sowie auch Multiplikatorin an der Universität Ulm und Trauerrednerin, startet ihren Vortrag. Sie erzählt von Haaren und die Entwicklung ihrer Bedeutung in der Geschichte.

Sie leitet ein und erzählt unter anderem von Beamtinnen die bis Mitte der 70er Jahre zum Tragen schulterlanger Haare und weiblicher Bekleidung verpflichtet sind.

Das nur am Rande: Sie erwähnt das „Fräulein Lehrer“ und das Lehrerinnenzölibat, welches 1880 im Deutschen Reich per Erlass eingeführt wird. Es bestimmt dass eine Lehrerin nur unverheiratet ihren Beruf ausüben darf. Schließlich soll sie sich mit ganzer Kraft ihrem Beruf widmen. Bis 1956 bedarf es für eine Lehrerin der Genehmigung des Staates zu heiraten.

Ein paar Fakten – schon gewusst?

  • Auf 1 cm² Kopfhaut wachsen 300-500 Haare
  • Eine Haarwurzel erholt sich bis zu 3 Monate bis ein neues Haar an dieser Stelle wächst
  • Ein Haar wächst 0,5 mm pro Tag
  • Uns fallen 40 bis 100 Haare aus
  • Leider werden die Haare im Alter weniger 

Frau Lettau macht nun einen großen Sprung zurück in die Bibel, Korinther Kapitel 11. Es beschreibt u.a. dass eine Frau die Ihr Haupt nicht bedecke, es schänden würde. Auch wenn sie es nicht bedecken wolle, es geschoren würde. So steht es tatsächlich heute noch heute geschrieben.

Bereits im Mittelalter haben Frauen als Schwurgeste „bei ihrem Zopfe“ und die Männer „bei seinem Barte“ geschworen.

Man betrachte auch die Bedeutung des Scherens der Haare – es diene als Zeichen der Unterwerfung z.B. bei Nonnen, Mönchen oder auch Soldaten. Oder während und auch nach dem Krieg, wenn ein Verhältnis zu anderen Männern bekannt wird, schert man den Frauen auf dem Marktplatz die Haare. Ein Zeichen der Schande.

Die Bedeutung der Haarfarben:
Schwarz: Rassig, schwarz wie Ebenholz,
Brünett: Sanft
Blond: Licht, Sonne, die Guten, die Verführerinnen
Weiß: Symbolisiert Weisheit
Rot: Gefährlich

Und so reist Frau Lettau mit den Landfrauen durch geschichtliche Epochen und bringt uns gleichermaßen zum Staunen.

Hier klicken für weitere Details
  • Das alte Griechenland oder Rom: Frisuren mit Löckchen, Goldstaub auf die Haare. Der Jugendwahn: Wer jung ist, hat einen haarlosen Körper. Das erste „Waxing“ mit Honig und Mullbinden…
  • 1250 kommen die Hauben – Frauen haben Ihre Haare zu verbergen
  • Offene Haare sind ein Zeichen der Jungfräulichkeit…
    • Frauen haben nur einen Zweck -Kinder zu gebären. So haben diese auf öffentlichen Festen ihre Bäuche ausgestopft um den Männern zu gefallen. „Das könnte dein Kind sein.“
  • Ein Mann mit Glatze darf nicht heiraten, es sei ein Zeichen von Impotenz. So kommen die ersten Perücken. z.B. die Frisur von Prinz Eisenherz, genannt „Kolben“.
  • Verheiratete Frau um 1450 tragen Haube und/oder eine hochrasierte Stirn
    • In Italien dürfen Frauen ihre Haare in Zöpfen offen tragen
  • Die Renaissance: Das Korsett für Frauen kommt. Das Ideal ist eine Taille von 50 cm, damit der Mann die Frau mit beiden Händen fassen kann.
  • Die Allonge Perücken um 1680,  Ludwig 14., der Sonnenkönig – seine Perücke soll eine Löwenmähne symbolisieren. Je nach Rang ist die Mähne länger oder kürzer.
  • Rokoko – der Adel: Wilde Frisuren mit Haarteilen und anderen Zubehörteilen wie Federn und Perlen. Die Haare werden nur einmal im Jahr gewaschen. Flohfallen werden zu jeder Zeit mit sich geführt. Dem Bürgertum ist es verboten solche Perücken zu tragen

„Schönheit muss leiden“ – wie Frauen schon immer für die Schönheit leiden „dürfen“.

  • Die Biedermeier-Zeit um 1850 – Blumenbouquets und Haarteile

 

„Haare sind wertvoll“

  • Haarteile sind eines der ersten industriell hergestellten Güter. Es gibt viele Betriebe mit vielen Mitarbeiter. Haare werden ausgedünnt, selbst ausgekämmte Haare konnten verkauft werden
  • Die Industrialisierung. Vor dem vor dem 1.Weltkrieg gibt es z.B. 2750 Friseure in Heilbronn
  • Nach dem Krieg kommen Frisuren, die an die Antike angelehnt sind – z.B. der Tituskopf
  • 1962 kommt das erste Haartaft auf den Markt, somit muss kein Zuckerwasser genutzt werden.

 

Hier klicken für „Haar-Rekorde“:
  • ca. 15,5 m die längste Haare bei einem Mann
  • 9cm – die längsten Ohrenhaare
  • 12 cm – der längste Damenbart
  • 1,65 m – die längsten Schamhaare
  • 98 cm – die längsten Achselhaare

 

Abschließend wandern wir zu der Verarbeitung von Haaren. Es wird Schmuck mit Haaren hergestellt. So zeigt uns Frau Lettau z.B. eine Uhrenkette die aus Haaren geklöppelt wird. Weiter werden Haare zu Postkarten (als lieben Gruß), zum Strumpfband, Broschen und etliche andere Schmuckstücke verarbeitet.

Liebe Frau Lettau, herzlichen Dank für Ihre Ausführungen und interessanten Details zum Thema Haare. Wir nehmen viel mit!

Ute Ullrich schließt unsere Veranstaltung mit einem Zitat:

„Verabschieden bedeutet auch sich auf die nächste Begegnung zu freuen“

 

Artikel von Nadine Albrecht

© Alle Rechte vorbehalten, Fotografie Nadine Albrecht